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Korrekturen oder Wenn die Muse den Kuss verweigert

Bis vor zwei Stunden war mir nicht klar, dass der Fachbegriff für diese kleinen Zangen, die aussehen wie Säbelzahntiegermünder, "Entklammerer" lautet. Oder dass eine Rote Wurst etwas typisch Süddeutsches ist und dass man weiter nördlich Bockwürste mag. Unwichtig? Auf keinen Fall. Wenn man seit Tagen sein Buch korrigiert, träumt man von solchen Fragen. Heute habe ich mich zum Beispiel damit befasst, ob es "pfriemeln" oder "friemeln" heißt,  "sich getrauen" oder "sich trauen", ob man in eine Straße "biegt" oder "einbiegt" und ob "Fristsachen erledigen" zu sehr Juristendeutsch ist oder nicht. Ich habe mit mir gerungen, ob meine Figuren etwas sagen, ob sie murmeln, fauchen, schimpfen, antworten, entgegnen, fragen, fordern, wissen wollen... Und natürlich, ob ich das Plusquamperfekt und den Konjunktiv und alles andere richtig angewandt (angewendet?) habe und ob man HEUTE MORGEN groß oder klein schreibt. Und meine Muse? Die weigert sich, mir bei sowas zu helfen. Ist ihr zu trocken. Sie befasst sich lieber schonmal damit, was mit den Besitzern dieser Boote passiert sein könnte, die eigentlich nur einen kurzen Nachtspaziergang macnen wollte. Und nie mehr zurückkamen...